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Interview zu humanitären Einsätzen mit der Hilfsorganisation Interplast.

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Jentho, C., Schönborn A., in Wir Alexianer (April 2011), S. 34  

Humanitärer Einsatz in der Plastischen Chirurgie

Dr. Alexander Schönborn engagiert sich in humanitären Hilfseinsätzen in Westafrika

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Dr. Alexander Schönborn beim Verbandswechsel

St. Josefs-Krankenhaus Potsdam-Sanssouci
2011 erfolgt im Rahmen eines Gemeinschaftsprojektes von INTERPLAST, dem St. Josefs-Krankenhaus und dem Rotary-Club Kleinmachnow ein Humanitärer Hilfseinsatz in Benin (Westafrika). Mit dabei Dr. Alexander Schönborn, plastischer Chirurg im St. Josefs-Krankenhaus.

Dr. Schönborn, was hat Sie zu dem Entschluss bewogen, humanitäre Hilfe zu leisten?
Bei INTERPLAST, der Hilfsorganisation, die hinter den humanitären Einsätzen steht, gibt es zwei Gruppen von Kollegen: Jene, die einmal einen Hilfseinsatz mitmachen und feststellen, dass es nichts für sie ist, und jene wie mich, die nicht mehr davon lassen können. Dabei spielen christliche Motive natürlich genauso eine Rolle, wie der Spaß an meinem Beruf. Ich operiere genauso gern im St. Josefs-Krankenhaus wie in einem provisorischen Operationssaal in Westafrika beim Schein einer Stirnlampe. Man kann soviel Gutes mit einer OP tun.

In welchen Ländern waren Sie tätig?
Mein erster Einsatz führte mich nach Nigeria. In Sokoto im Norden des Landes gibt es ein Kinderkrankenhaus, das sich vor allem um Kinder mit der Infektionskrankheit NOMA kümmert. Dann war ich in Kirgisien, um beim Aufbau des dortigen Verbrennungszentrums zu helfen. Aber es hat mich immer wieder nach Afrika gezogen, nach Madagaskar und Benin.

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Kinder nach der Operation durch das INTERPLAST-Team
Wie lange leisten Sie schon humanitäre Hilfe?
Mein erster Einsatz war 2002 und seitdem bin ich regelmäßig mit INTERPLAST unterwegs.

Welche Eingriffe haben Sie am häufigsten durchgeführt?
Die Korrektur von Lippen- und Gaumenspalten und Handfehlbildungen, die Operation von Tumoren und immer wieder die Korrektur von Verbrennungen, die zu schlimmen Verwachsungen geführt haben.

Wie sind die Arbeitsbedingungen?
Das ist von Land zu Land unterschiedlich. Das Krankenhaus in Benin hatte einen gut ausgestatteten Operationssaal. Routine ist so ein Einsatz aber nie. Wobei ich immer wieder erstaunt bin, mit welchen einfachen Mitteln unsere Anästhesisten auskommen und wie wenig Wundinfektionen wir haben.

Konnten Sie Ihr Wissen an die dortigen Ärzte weiter geben?
Wir versuchen es. Ich kenne einen nigerianischen Kollegen, der Gaumenspalten inzwischen ganz hervorragend operiert und dazu keinen INTERPLAST-Chirurgen mehr braucht.

Hat der humanitäre Einsatz Ihr Denken und Handeln in Deutschland verändert?
Die humanitären Einsätze haben mir beigebracht, dass jede wiederherstellende Chirurgie immer auch ästhetische Chirurgie ist. Ästhetisch heißt dazugehörig, akzeptiert, danach kann der Patient in der Menge untertauchen, kurz: besser leben. Das ist das Ziel all unserer wiederherstellenden Operationen, ob hier bei uns oder in einem Entwicklungsland.

Das Interview führte Carola Jentho
Assistentin der Geschäftsführung, St. Josefs-Krankenhaus Potsdam