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Die MAZ über die von Dr. Schönborn in Potsdam organisierte Frühjahrstagung der VDÄPC.

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Kraats, M. Wir brauchen Ärzte, die zuhören, in MAZ, 04.04.2011  

„Wir brauchen Arzte, die zuhören“


Medizin Tagung der ästhetisch-plastischen Chirurgen in Potsdam / Mehr Operationen

Von Marion van der Kraats

Potsdam-West: Noch nie waren die Senioren so jung wie heute. Doch egal, wie jung sich der Mensch fühlt - Falten und andere Körpermerkmale verraten die Jahre. Immer mehr Menschen suchen deshalb Abhilfe bei Ärzten. Die Vereinigung der Deutschen ästhetisch-plastischen Chirurgen beobachtet eine Zunahme von Operationen, schilderte der Berliner Mediziner Johannes C. Bruck am Rande der 11. Frühjahrsakademie der Berufsvereinigung, die am Sonnabend im Kongresshotel am Templiner See zu Ende ging.
Wie berichtet, hatte der Leiter der seit Ende 2006 bestehenden Klinik für ästhetische und plastische Chirurgie am St.-Josefs-Krankenhaus, Alexander Schönborn, es geschafft, die dreitägige Bundestagung der ästhetisch-plastischen Chirurgen nach Potsdam zu holen. Neben wissenschaftlichen Vorträgen standen auch ein OP-Kurs und Live-Operationen am Gesicht auf dem Programm des Ärztekongresses.
Über die Zahl der Operationen gebe es keine verlässlichen Zahlen, so Johannes C. Bruck. „Aber wir beobachten eine deutliche Zunahme der Eingriffe“, sagte er. „Der Bedarf ist größer geworden.“ Ein Grund sei die immer größer werdende Diskrepanz zwischen dem Körpergefühl und dem tatsächlichen Alter. „Wir haben es mit einer sozialen Herausforderung zu tun“, so Bruck in Potsdam. „Die Menschen werden immer älter und es geht ihnen so gut wie es ihnen noch nie gegangen ist.“ Untersuchungen belegten: Heute 80-Jährige haben eine Lebensqualität wie vor 20 Jahren die 60-Jährigen. Zugleich folge der Körper jedoch eigenen Gesetzen: „Der Alterungsprozess ist Volumenverlust“, sagte Bruck. „Wir haben es mit zwei Fakten zu tun: Das Gerüst wird kleiner und die Substanz weniger.“
Aufgabe der seriösen plastischen Chirurgie sei die Rekonstruktion. Das Motto laute Modellieren statt Straffen. „Unser Anliegen ist es, ein natürliches Ergebnis zu gewährleisten und nicht, den Patienten zu entstellen“, betonte Bruck und verwies auf durch Botox deformierte „Schlauchlippen“. Der Mediziner betonte, dass in der Weiterbildung für Fachärzte der plastischen und ästhetischen Chirurgie eine psychologische Analyse und Bewertung mit Patienten vorgeschrieben sei. „Wir brauchen Ärzte, die zuhören“, so Bruck. „Wenn ich technisch das umsetzen kann, was sich der Patient von seinem Körperbild vorstellt - dann kann man ihnen wirklich helfen." Bedarfsdeckung sei okay. Das sei auch eine Heilbehandlung. Einen Bedarf aber künstlich zu wecken - das sei Gewerbe. „Das machen Kollegen, die quasi mit dem Lasso Patienten einfangen und das tun, was sie mit den Patienten machen möchten“, so Bruck.
Nach seinen Angaben wurden 2003 nach einer Untersuchung rund 16 000 ästhetische Operationen registriert, bis 2008 stieg die Zahl auf etwa 28000. „Da die Eingriffe nicht meldepflichtig sind, können wir nur aus verschiedenen Quellen Hochrechnungen betreiben“, erläuterte der Arzt. So verkaufe die Industrie jährlich knapp 100000 Implantate, etwa die Hälfte werde zum Brustaufbau nach Krebs verwendet. MAZ/dpa