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Humanitäre Plastische Chirurgie

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Es ist nicht unser Verdienst, in einer Welt des Wohlstands und der optimalen medizinischen Versorgung geboren worden zu sein. Es ist nicht deren Schuld, mit einer Fehlbildung oder Verbrennungsfolgen in einem Entwicklungsland aufzuwachsen, in dem es für die Armen keine Möglichkeit der Plastischen Chirurgie gibt. Lasst uns deshalb die Ungerechtigkeit der Natur ausgleichen, soweit es in unserer Macht steht.
Professor Gottfried Lemperle


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Ankunft des Interplast -Teams, Benin 2010 
 

Humanitäre Plastische Chirurgie: Finden Sie das nicht skandalös? Wollen die Ärmsten sich liften lassen? Die Entwicklungsländer haben doch ganz andere Probleme: Hunger, Krieg, Naturkatastrophen. Warum gehen wir Plastischen Chirurgen in die Dritte Welt? Vor allem, weil es einen enormen Bedarf an Plastischer Chirurgie gibt. Auf unseren Einsätzen operieren wir Menschen, die durch angeborene Fehlbildungen, Verbrennungen, Kriegsverletzungen oder Infektionen wie Lepra, Kinderlähmung oder NOMA gezeichnet sind. Diese Menschen mit den oft unfassbaren Entstellungen ihres Körpers haben in ihren Ländern keinen Zugang zu Operationen. Unser Fachgebiet ist leicht zu „exportieren“. Wir haben keine großen oder speziellen Instrumente und unsere Operationen führen zu schnellen und sichtbaren Erfolgen.

Die humanitären Einsätze haben uns beigebracht, dass jede wiederherstellende Chirurgie immer auch ästhetische Chirurgie ist. Schönheit und Harmonie sind kein Vorrecht der Reichen, auch arme und ungebildete Patienten wissen, was das ist. Haben wir keine Angst vor dem Wort ästhetisch, das heißt dazugehörig, akzeptiert, in der Menge untertauchen. Kurz: besser zu leben. Das ist das Ziel all unserer wiederherstellenden Operationen, ob hier bei uns oder in einem Entwicklungsland.

Hinter unseren Einsätzen steht die Hilfsorganisation Interplast. Interplast wurde 1965 in den USA durch Dr. Donald Laub gegründet, 1980 fand der erste deutsche Einsatz in Ghana statt. Seitdem hat Interplast Deutschland bei 773 Hilfseinsätzen 64.310 Patienten operiert. Unter der Präsidentschaft von Dr. André Borsche von 1999 bis 2011 wurde Interplast zur größten plastisch-chirurgischen Hilfsorganisation in Europa.

Die Arbeit von Interplast wird ganz vom Einsatz des Einzelnen getragen und ist gerade deshalb so effektiv. Wir fahren alle während unseres Jahresurlaubs und beziehen keinerlei Gehalt oder Aufwandsentschädigung. Die Einsätze werden von den Mitgliedern selbst organisiert, die Teams sammeln Spenden für Reise und Unterkunft, manchmal haben wir das Glück, Medikamente und Nahtmaterial von Firmen zu bekommen. Wir sind aber umgekehrt in medizinischer und organisatorischer Hinsicht voll verantwortlich und einer rigorosen Dokumentation unterworfen.

Charity-Watch: Interplast (hat) eine Bilanz, die vielen Hilfsorganisationen zum Vorbild gereichen sollte. Dank des außerordentlichen Engagements aller Mitglieder (…) fließen über 90% der Einnahmen in die Projekte. Bewertung: empfohlene Hilfsorganisation

Ein Interplast-Projekt verläuft in drei Stufen. Am Anfang steht ein Piloteinsatz: Ein kleines Team fährt in ein Land, um herauszufinden, ob vor Ort ein ernsthaftes, lebensfähiges Projekt aufgebaut werden kann. Gibt es bedürftige Patienten? Gibt es eine minimale Krankenhaus-Struktur? Gibt es vor Ort eine engagierte Persönlichkeit, auf die man sich verlassen kann?

Für den eigentlichen Einsatz wird ein Operationsteam aus erfahrenen Chirurgen, Narkoseärzten und OP-Schwestern bzw. Pflegern zusammengestellt. Der Einsatz dauert in der Regel zwei bis drei Wochen. In dieser Zeit versucht man, so viele Patienten wie möglich zu operieren.

Die Ausbildung bleibt eines der Hauptziele unserer Einsätze. Es geht nicht darum, den Kollegen ausgefeilte Techniken beizubringen, die sie ni emals anwende n würden, sondern Operationen, die an die örtlichen Bedingungen, das einfache Material, die Hitze, die fehlende Sauberkeit, die Konstitution der Patienten angepasst sind.

Zunehmende Erwartungen und administrative Hürden werden unsere Hilfseinsätze in Zukunft sicher nicht einfacher machen. Aber zumindest einige der 40 oder 50 Kinder, die ein Interplast-Team in zwei Wochen operieren kann, bekommen eine Chance, dem Teufelskreis aus Armut und Krankheit zu en tfliehen, bekommen eine Chance auf Zukunft. Deshalb werden auch weiterhin Interplast-Teams um die halbe Welt fliegen und strapaziöse Anreisen, provisorische Unterkünfte und Malariaanfälle in Kauf nehmen, um diese Kinder zu operieren, die sich eine OP niemals leisten könnten.